AABERkadabra #3 mit Botho Willer und der Drang zum Klang

Botho Willer: Es ist eine klare aber unsichtbare Linie zwischen dir und der Kunst. Umso schöner ist es, zu beobachten, wie du sie überschreitest, erst vorsichtig erforschend, dann mutig und spielerisch, wie du dich zum Teil der Installation machst. Unscheinbar und überraschend. Interaktiv und greifbar. Alles was es braucht ist ein bisschen Magie, oder Technik.

Installations-Künstler Botho Willer über Ideen, Träume und Mut.

Der AABER AWARD zeichnet seit 2011 junge Künstler aus allen Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst aus. Dieses Jahr findet er Ende Mai in München statt. Bis dahin wollen wir euch in Kooperation mit ZeitJung.de in der Reihe „AABERkadabra“ in unregelmäßigen Abständen Künstler vorstellen, die sich im Dunstkreis des AABER bewegen – 10 Fragen, 10 Antworten und eine Reihe signifikanter Bilder…

Heute: Botho Willer…

1. Was ist das Letzte, das du aufgeschrieben hast?

Eine Telefonnummer. Bin grade auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin. Eigentlich hätte ich mehr Lust auf Zugfahren. Schade, dass die Bahn Organisation belohnt und nicht Spontaneität.

2. Kannst du den Entstehungsprozess deiner Arbeiten beschreiben?

Mein Kopf summt vor Ideen. Manchmal will eine raus und manchmal hab ich die Zeit dazu, sie raus zu lassen. Oft sind es Experimente, von denen ich nicht weiß, wie ich sie umsetzen kann und ob es sich „lohnt“. Meistens recherchiere ich dann erst sehr lang. Ich habe den Anspruch, möglichst viel selbst zu machen und möglichst wenig zu kaufen. Das heißt, ich versuche zu verstehen und zu lernen. Das ist ein anstrengender und umständlicher Prozess, der auch zunächst nicht unbedingt im Ergebnis erkennbar ist, der aber mich und meine zukünftigen Arbeiten weiterbringt.

Plopp. Es ist ein kurioser und schöner Moment, in dem man versteht, dass man tatsächlich eine Idee in die Welt gesetzt hat.

3. Was hat dich zuletzt überrascht und in Staunen versetzt?

Ein Video im Internet. Dort wird gezeigt, dass man mit einfachen Mitteln aus Wüsten und anderen „toten“ Gebieten wieder produktive Ökosysteme machen kann. Das hat mich beeindruckt!

4. An welchen Orten bist du am kreativsten, an welchen Orten arbeitest du?

Am Boden. Es ist unvernünftig, es ist schlecht für meinen Rücken, es ist immer chaotisch und unübersichtlich. Trotzdem ende ich am Boden, egal ob ich tippe, löte oder bastle. Ich erinnere mich, dass ich früher schon – umringt von Legosteinen und versunken in meiner Welt – wohl ähnlich dasaß.
Außerdem ist am Boden der meiste Platz und der ist eigentlich immer rar.
Kreativ machen mich Orte mit Potential, leere und ungenutzte Orte.

5. Wie würdest du den Kreis der Menschen beschreiben, mit denen du dich tagtäglich umgibst, die dich prägen?

Meistens bin ich unter Eseln und Bienen, ein paar Affen sind eigentlich immer dabei. Manchmal mag ich auch die zurückhaltende Gesellschaft von Schildkröten und Fischen. Löwinnen sind immer wieder gut und von den Füchsen und Bären lerne ich eine Menge. An dieser Stelle möchte ich noch meinen Elefanten grüßen.

6. Möchtest du mit deinen Arbeiten eine konkrete Aussage treffen?

Es gibt immer eine Aussage, aber mir ist wichtig, dass man die Arbeit auch versteht, wenn man sich sonst nicht mit Kunst beschäftigt. Der Verstand ist nur ein Aspekt, wichtiger sind mir die Sinne. Zufrieden bin ich, wenn eine Arbeit verwundert und die Besucher zu Entdeckern macht. Das klappt mit interaktiven Arbeiten besonders gut.

7. Was planst du als nächstes?

Ein Vierteljahrhundert Kulturpessimismus ist genug. Ich will an meiner Wahrnehmung arbeiten, mehr Mut aufbringen und ein paar Träume umsetzen.

8. Wovon träumst du?

Im Moment gibt es wohl keine persönlichere Frage. Ich glaube ich habe lange kaum Träume gehabt oder sie nicht zugelassen. In der letzen Zeit kommt das wieder. Die kleinen Träume werden zu ganzen Bildern, aber für das weite Internet sind sie doch noch ein bisschen zu zart. Ich hoffe, dass es ein paar davon bald in die Realität schaffen und Hallo sagen.

9. Wann und wie hast du dich entschieden, nichts klassisch „Vernünftiges“ zu machen sondern den Weg des Künstlers einzuschlagen?

Im Moment habe ich noch zwei Semester bis zu meinem Bachelor in Kommunikationsdesign, mache ein Praktikum in einer Designfirma in Berlin und bin noch auf dem „vernünftigen“ Weg. Ich fand es immer schwierig, an etwas zu glauben: an Geld, an Religion, an Fußball, an 9-Stunden-Bürojobs, an Ehen, an Autos, das ganze Konstrukt. Seit ich das gemerkt habe, bin ich auf der Suche.
Dass ich sowohl Design als auch Kunst mache, ist wohl Teil davon. Es ist spannend zu beobachten, wie in meinem Umfeld immer wieder die Zukunftsfrage auftaucht. Jung, begabt, unglaublich privilegiert und trotzdem voller Unsicherheit und Zweifel. Ich hoffe, wir bleiben auf der Suche und finden Leben, die uns wirklich entsprechen.

10. Welche Platte, welches Buch, welcher Film haben dich am stärksten geprägt?

Kein einzelnes. Einige wichtige Figuren meiner Jugend: Die Mumins, Mac Gyver, Kalle Blomquist, Pippi Langstrumpf, Michael Knight, der kleine Wassermann, Justus Jonas. Aber am meisten geprägt hat mich wahrscheinlich, dass wir lange keinen Fernseher hatten und dass meine Eltern mich Botho genannt haben.

Checkt hier Bothos derzeitige Ausstellung
Klickt euch oben durch Bilder von Bothos Installationen, danke an den Fotografen Hannes Rohrer.

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