AABERkadabra #5 mit Felix Rodewaldt – „Momentan sind meine Träume sehr sonderbar“

AABERkadabra #5: Felix Rodewaldt schafft aus Klebeband faszinierende Rauminstallationen.

Der AABER AWARD zeichnet seit 2011 junge Künstler aus allen Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst aus. Dieses Jahr findet er Ende Mai in München statt. Bis dahin wollen wir euch in Kooperation mit ZeitJung.de in der Reihe „AABERkadabra“ in unregelmäßigen Abständen Künstler vorstellen, die sich im Dunstkreis des AABER bewegen – 10 Fragen, 10 Antworten und eine Reihe signifikanter Bilder…

Heute mit Felix Rodewaldt.

1. Was ist das Letzte, das du aufgeschrieben hast?

Die Adresse von meinem Hostel in Guayaquil

2. Kannst du den Entstehungsprozess deiner Arbeiten beschreiben?

Mein Entstehungsprozess fing damit an, dass ich mein eigenes Zimmer immer Gestaltet habe. Erst alles abgeklebt und die Flächen mit verschiedenen Farben einfarbig ausgemalt, dann nur mit farbigem Klebeband. Irgendwann haben mich Freunde gefragt ob ich bei ihnen auch was gestalte und so hat sich das ganz plötzlich entwickelt.
 Ich fing dann auch an, Bilder mit Klebeband zu malen, zu konstruieren. 
Nach der Ausstellung in meiner eigenen Wohnung gab es dann auf einmal anfragen von außerhalb, dass ich in Clubs was gestalten darf. Ich habe mich dann auch für alle möglichen Ausstellungsorte interessiert und dabei den AABER AWARD gefunden. Diese Ausstellung gab mir die Möglichkeit, in der Jörg Heitsch Galerie auszustellen.

Fast Gleichzeitig war dann die Jahresausstellung in der Akademie und noch eine andere Ausstellung im Privathaus eines Architekten, was mit Hilfe der Downstairs Galerie organisiert wurde. Durch die vielen Räume hatte ich entsprechend tolle Möglichkeiten in kurzer Zeit viel zu Gestalten. 
In meinen Rauminstallationen nehme ich gerne die vorgegebene Architektur oder eine einfache geometrische Form und diese wird dann verzerrt, verdreht oder/und verlängert. 
Bei meinen Bildern habe ich meist eine eigene Vorstellung oder ich fotografiere sie mir aus meinem Umfeld und verwende das Foto als Vorlage und klebe dieses dann nach.
 Dadurch entsteht eine sehr Spannende Abstraktion der Realität. Eine andere Form meiner Bildgestaltung beschäftigt sich mit Material vom Klebeband, sei es die Dicke der Folie, die Durchsichtigkeit oder die eingearbeitete Struktur im Gewebeklebeband.

3. Was hat dich zuletzt überrascht und in Staunen versetzt?

Ich war vor kurzem in Ecuador und diese Reise hat mich immer wieder überrascht und ins Staunen versetzt. Ich war mit einer Gruppe von Freunden unterwegs und wir haben eine gute Rundreise gemacht. Angefangen in Quito, kurz in den Amazonas, weiter nach Banos, Cuenca und Guayaquil und am Ende der Reise noch die Küste entlang mit viel Strand und Sonne. Sehr toll war, dass die Reise sehr vielseitig war und sich alle 2-3 Tagen die Landschaft komplett verändert hat.

4. An welchen Orten bist du am kreativsten, an welchen Orten arbeitest du?

Ich bin nicht an spezifischen Orten kreativ. Mal ist es in einer Wohnung meiner Freunde, in einer Galerie, in einem Club oder wie neulich im Sperrengeschoss einer U-Bahnhaltestelle. Ich bin da nicht sehr wählerisch. Im Gegenteil: Je unterschiedlicher umso besser, da ich mir für jede Raumsituation etwas anderes Überlege und somit viel leichter eine neue Arbeit resultiert. 
Für meine Bilder Arbeite ich immer zu Hause, da ich dafür meine Ruhe brauche und mich gerne in meine Arbeit reinfallen lasse, so dass ich nicht auf irgendwelche Zeiten achten muss.

5. Wie würdest du den Kreis der Menschen beschreiben, mit denen du dich tagtäglich umgibst, die dich prägen?

Das weiß ich nicht, ich kenne sehr viele Leute und weiß teilweise nicht mal, von woher. Also wenn ich meinen Freundeskreis beschreiben soll dann kann ich nur von einer großen Vielseitigkeit sprechen.
 Das mit dem Prägen ist so eine Sache. Ich bin Leuten auf Reisen begegnet und da hat mich schon eine Unterhaltung sehr zum Nachdenken gebracht und ich habe wunderbare Freunde, auf die ich mich verlassen kann, dementsprechend zeichnen sie mich ganz anders.

6. Möchtest du mit deinen Arbeiten eine konkrete Aussage treffen?

Bei den meisten Rauminstallationen versuche ich entsprechend mit dem Raum zu spielen, so dass der Betrachter ein neues Raumgefühl wahrnimmt. Gleichzeitig verwende ich dafür ein Material, das jeder kennt aber das im Kunst-Kontext noch eher unüblich ist, nämlich Klebeband.

7. Was planst du als nächstes?

Ich werde für die nächste Hirnfrei Veranstaltung ein riesiges Gehirn basteln was über dem DJ-Pult hängen soll. Das wird wohl meine Erste Skulptur aus Metall und Licht. Ansonsten: weitere Bilder kleben.

8. Wovon träumst du?

Momentan sind meine Träume sehr sonderbar, ich merke sie mir auch nicht nach dem aufstehen. 
Aber auf einen Traum arbeite ich gerade hin. Ich möchte mein Studium in New York erweitern. Ich würde da sehr gerne meinen Master machen und suche momentan nach Möglichkeiten. Vorraussetzung dafür ist wohl, dass ich ein Stipendium dafür bekomme, was sich wohl in ein paar Monaten entscheidet.

9. Wann und wie hast du dich entschieden, nichts klassisch „Vernünftiges“ zu machen sondern den Weg des Künstlers einzuschlagen?

Es ist doch sehr vernünftig den Weg des Künstler einzuschlagen!!! Schon der Herr Beuys sagte „Jeder Mensch ist ein Künstler!“

10. Welche Platte, welches Buch, welcher Film haben dich am stärksten geprägt?

Ich höre gerne und viel Musik und mit Soundcloud, Soundmix, Youtube usw. ist alles so wunderbar unübersichtlich geworden, dass ich mich nur bei allen Musikern bedanken kann, die ihre Musik Online stellen und mich immer anders mit ihrer Musik begeistern! An Büchern und Filmen fand ich immer Utopien oder Zukunfts-Vorstellungen sehr Spannend. Dementsprechend fallen mir Buchtitel wie „Schöne Neue Welt“ oder „1984“ ein und Filmtitel wie „THX-1138“, „Dark City“, „Metropolis“, „Matrix“, „Tron“ usw.

Vielen Dank für das Gespräch…

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