Collectif L’Homme révolté- nominiert für den AABER AWARD 2013

Collectif L’Homme révolté

+Mississippi+

Environment – Rauminstallation
1. Zusammensetzung:
Die Rauminstallation „Mississippi“ setzt sich aus einer Videoprojektion, einer Klanginstallation und einer szenisch gestalteten Umgebung zusammen: Eine Verbindung der virtuellen und realen Präsenz im Raum als Ort des Diskurses.
(a) Video (ca. 30 Min., Loop): Die auf Video aufgenommene Performance zeigt drei Männer, die als Chain-Gang, an den Füßen aneinander gekettet, gegen die Strömung eines Baches laufen. Im dokumentarischen Stil, aus zwei Perspektiven aufgenommen, steht die Arbeit als Allegorie für das Aufeinander-Angewiesen-Sein: Steht einer der drei Protagonisten am Ende seiner Kräfte, ist die Wanderschaft auch für die anderen vorbei. Stürzt einer, bedeutet es ebenfalls den Sturz der anderen. Jede Bewegung muss abgestimmt sein, wenn die Wanderschaft gegen den Strom ein glückliches Ende finden soll. Doch die Reise hat fatale Züge: Der Strom ist zu reißend und die menschlichen Kräfte begrenzt. Die Willenskraft der Akteure kann den Kampf hinauszögern, doch nie zum Sieg bewegen.
(b) Klang (2-Kanal, ca. 60 Min., Loop): Aus zwei Lautsprechern erklingt eine einstündige Version von Sam Cooke’s Song „Chain Gang“ aus dem Jahre 1960. Das Lied erzählt, in seiner originalen Fassung, von den Umständen eines Mannes, der in einer, für die amerikanischen Südstaaten typischen Chain-Gang, arbeiten muss. Das lebhaft gesungene Lied verfehlt jedoch den Kern. Es stellt die existentielle Situation vieler Entmündigten als leicht und nahezu förderlich dar. Durch die Bearbeitung wird das heiter-klingende Lied verzerrt und ins scheinbar Unendliche gedehnt. Von der zuvor in sich stimmigen Pop-Musik bleibt nur noch ein lang anhaltender Schrei.
© Umgebung : Der geschlossene Raum suggeriert einen Außenraum. Man gelangt durch eine hölzerne Treppe in den Innenraum. Der Boden ist wie der des Gewässers im Video mit Steinen bedeckt, doch bereits nahezu ausgetrocknet. Daraus ragen Äste und Pflanzen hervor, es liegen Glasscherben und Müll zwischen den Steinen: Der Betrachter bewegt sich, nahezu selbst performativ, durch die künstlich nachgebaute Umgebung und blickt auf die natürliche Umgebung der Projektion. Durch die Dopplung des virtuellen Materials im Video, mit dem realen Material im Raum, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Realität und Darstellung. Der Widerstand des Wassers ist im Raum des Betrachters nicht mehr vorhanden, die Bewegung verlangt weniger Anstrengung wie die im Video. Und doch ist es nicht klar welche Situation vorläufig ist: Raum und Video konstruieren sich Wechselseitig und fusionieren zu einem dicht verschränkten Komplex, der sich durch Präsenz und Absenz manifestiert.

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